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Das Jahr 1860 stand in Erwartung des 50-jährigen Bestehens. Es sollte vorerst aber noch einer besondere Aufmerksamkeit gelten. Ein Teil der in der "Geist" beheimateten Mitglieder schloss sich der im Jahre 1835 gegründeten "Geist-Schützen-Bruderschaft" an. Dem Verein verblieben noch stattliche 7 Gesellschaftsmitglieder, hinzu kamen 31 "Fremde" (passive Mitglieder) und Ehrenmitglieder.

Bis zu diesem Zeitpunkt nannte sich unsere Gesellschaft "Geist-Schützen-Gesellschaft" (Lamberti - außerhalb der Stadt). Erst nach dem Austritt der in der "Geist" wohnenden Mitglieder wurde der jetzt bestehende Name "Pluggendorfer-Schützen-Gesellschaft" gewählt und angenommen, dies auch entsprechend der nunmehr fast ausschließlich im Pluggendorf-Viertel wohnenden Schützenmitglieder.

Das Jubelfest zum 50jährigen Bestehen wurde entsprechend großzügig gefeiert. Ein alteingesessener Pluggendorfer, Kaspar Schulte, wurde Jubelkönig. Er erwählte, wie es damals üblich war, seine Frau zur Königin.

Noch lebte die alte Königin aus dem Jahre 1810 (Frl. Buske) im Jahre 1860 als Ww. Wiggers auf der Jüdefelder Straße. Sie wurde ehrenhalber im bekränzten Wagen nach Pluggendorf geholt. Das Schützenfest fand reges Interesse, denn es wurde unter dem Jubel von ganz Pluggendorf gefeiert. Die Anmerkung des Mitfeierns von ganz Pluggendorf zeigt die Verbundenheit der Bürger mit den Schützen, so wie es heute fast nur noch in Kleinstädten und Dörfern zu finden ist.

Obwohl sich die Schützengesellschaft jedes Jahr zur Feier des Schützenfestes zusammenfand und sich traditionsbewusst und als feste Gemeinschaft zeigte, wurde im Jahre 1862 ein Vereinsstatut erstellt. Hierin wurden die Regularien des Vereinslebens festgelegt.

Das 1. Statut lautete:

"Eintracht, Gemeinsinn und Vaterlandsliebe unter den eingesessenen Bürgern zu fördern und zu pflegen"

Ein Schützenverein galt zur damaligen Zeit als etwas Besonderes. Diesem Ansehen und dem entsprechenden Bürgersinn wurde er stets gerecht. Man nahm sich in die Pflicht.

Der jeweilige König wurde entsprechend der neuen Statuten verpflichtet, eine silberne Medaille mit seinem Namen und der Jahreszahl an die bestehende Königskette anzubringen. Ein Mindestbeitrag ist vorgeschrieben, der dann aber wieder aus der Kasse zurückerstattet wurde.

Angesichts der bisherigen Könige, die immer in hervorragender Weise namentlich Erwähnung finden, ist das Jahr 1868 als Wendepunkt des gesellschaftlichen Lebens der Gesellschaft anzusehen. Es stellte sich heraus, dass sich die Schützen niedrigen Standes nicht nur zum "Fußvolk" zählten, sondern eifrig und mit gewissem Selbstvertrauen mitmachten. Doch etwas Besonderes war es schon, das ein Arbeiter Schützenkönig wurde. Ob bis dahin die Voraussetzungen zur Erreichung der Königswürde andere waren, steht nirgendwo geschrieben, aber die besondere Herausstellung im Protokoll des Jahres 1868 zeigt, dass man darüber erfreut war. Wörtlich steht dazu in der Chronik:

"1868 war W. Klasmeyer, Arbeiter auf der Weber und Färberei von Rohling und Schmitz, Schützenkönig."

Dass auch ein Arbeiter König werden konnte, dokumentiert die rechte Popularität der Schützenfeste, indem Arme und Reiche, Bürger und Arbeiter die Königswürde von Pluggendorf erreichen konnten.

Nachdem noch 1869 ein normales Schützenfest gefeiert werden konnte, musste dieses 1870 wieder zwangsläufig ausfallen. Die Erklärung lautete:

"Es wurden der schweren kriegerischen Ereignisse halber das alljährliche Schützenfest nicht gefeiert"

An der Königskette wurde jedoch zum Andenken an das "Glorreiche Jahr" eine hübsche Erinnerungsmedaille gestiftet. Die Zeiten waren anders und die ihr angehörenden Menschen sicher auch. Nur so kann man den Ausruf des glorreichen Jahres verstehen, denn so glorreich waren die Verhältnisse nicht, schon 1873 gab es wieder eine große Wirtschaftskrise. Das Geld war knapp und der Versuch, ein Winterfest zu feiern, endete 1875 mit einem finanziellen Defizit. Auch das darauf folgende Schützenfest hatte eine Unterbilanz. Dies alles zeigt, dass auch die Schützen von Münster von der übrigen Lage des Volkes nicht isoliert, sondern auch immer betroffen waren. So ließ auch das nächste Winterfest erst einmal auf sich warten.

Im Jahre 1883 gab es dann nach vielen Anläufen den ersten Schützenumzug. Der Erfolg war so groß, dass beschlossen wurde, eine Vereinsfahne anzuschaffen; sollte doch die Fahne ein engeres Zusammenschließen der Schützen fördern. Die Sammlung für die Fahne erbrachte 330 Mk.. Sie kostete 310 Mk., ein stolzer Betrag. Dass die Fahne geweiht wurde, versteht sich von selbst, nahm man doch am kirchlichen Leben immer Anteil.

Auf der wertvollen Fahne standen die Worte

"Glaube - Sitte - Heimat"

Diese Worte waren nicht nur eine Losung, die Schützen traten ein für die selbst gewählten, aber auch geforderten Lebensinhalte, die da hießen

Stärkung des Glaubens
Schutz der Sitten         
Treue zur Heimat         

Unter dem 12.2.1884 heißt es in der Chronik:

"Gestern, den 11.02., kam unser Hochw. Bischof Johann Bernhard Brinkmann aus seiner 9jährigen Verbannung in seine Diözese zurück. Am heutigen Abend fand daher ein großer Fackelzug statt. Unsere Fahne konnte sich sehen lassen. Morgen ist eine große Illumination, zu welcher größte Vorbereitungen getroffen sind"

Ein Jahr später, 1885, verzeichnete Münster den Besuch des deutschen Kaisers. Mit Stolz wird festgestellt:

"Münster hatte in diesem Jahr die hohe Ehre, Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I. und Ihre Majestät die Kaiserin Augusta in seinen Mauern zu sehen. Seit 500 Jahren hatte ein Deutscher Kaiser Münster nicht mehr besucht"

Jeweils vor dem Jubiläum, sowohl zum 50jährigen wie auch jetzt zum 75jährigen Jubiläum wurden die Verhaltensregeln (Statuten) neu gefasst. Es scheint auch die Geburtsstunde des "Medaillenschießens" zu sein. Man hatte beschlossen, denjenigen mit einer silbernen Medaille zu "dekorieren", der die meisten Ringe bei den ersten Schüssen erhielt.